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Gymnasium und RS+ schärfen ihr Profil

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„Alles bleibt anders.“ „Es geht um eine vollständig neue Ausrichtung.“ Mit wenigen Worten beschreiben Edmund Mink und sein Schulleiterkollege Georg Mombour das, was sich aus der Aufhebung der gemeinsamen, schulartübergreifenden Orientierungsstufe der Marion-Dönhoff-Realschule plus und des Kopernikus-Gymnasiums ergibt. Ab dem kommenden Schuljahr verfügen die beiden Wissener Schulen jeweils über eine eigene, schulartabhängige Orientierungsstufe für die Klassen 5 und 6 (die RZ berichtete). Das heißt: Einerseits haben kommende Fünftklässler die Wahl, andererseits schärfen die Schulen ihr Profil. Die RZ wagt den Versuch einer Gesamtbetrachtung. Unverändert bildet die Orientierungsstufe eine zweijährige pädagogische Einheit, es gibt also kein Versetzungsrisiko zwischen Klasse 5 und 6. Für den Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule gilt in Rheinland-Pfalz das Prinzip der Wahlfreiheit, jedoch betonen beide Schulen, wie wichtig es ist, die Eltern richtig zu beraten.

Da dementsprechend nicht mehr alle Viertklässler, sozusagen vom Überflieger bis zum Lernschwachen, automatisch in nur eine Orie gepresst werden, ergeben sich durch den Wegfall dieser Heterogenität Vorteile für beide Schulen. Gleichwohl betont Georg Mombour, Direktor des Kopernikus-Gymnasiums : „Es geht nicht darum, nur die besten Viertklässler abzugreifen. Wir wollen die Kinder genau da abholen, wo sie stehen. Zum Beispiel soll eine Anleitphase den Übergang erleichtern, ähnlich wie zu Beginn der Stufen 7 und 11.“ Weitere besondere Merkmale der gymnasialen Orientierungsstufe sind zum Beispiel: Einführungswoche, individuelles Patensystem (jeder einzelne Fünftklässler hat seinen Ansprechpartner in Klasse 8), Projektklasse Musik (bei ausreichend Anmeldungen zusätzlich zwei Unterrichtsstunden pro Woche), Wahl der zweiten Fremdsprache ab Klasse 6 (Französisch oder Latein) sowie höchstens 28 Schüler pro Klasse. Orientierungsstufenleiterin Elisabeth Wieschollek betont außerdem die mediale Ausbildung ab Klasse 5 und das gemeinschaftsbildende Prinzip der „bewegten Schule“. Vieles, so Mittelstufenleiterin Sonja Harmel, mündet darin, dass das soziale Lernen an Bedeutung gewinnt, zusätzlich zur Neuausrichtung der Mittelstufe mit den drei Säulen Gesellschaft & Wirtschaft, Mathematik & Naturwissenschaften, Sprachen (ab Schuljahr 2019/20).

Die Marion-Dönhoff-Realschule plus  will Bewährtes und Neues kombinieren. Dazu zählt etwa die Fortführung des Bläserklassen-Modells. Bestehen bleibt auch das stark nachgefragte, noch relativ junge Angebot einer Sportklasse, ebenso das Lernen am Computer (zwei Stunden an einem Nachmittag). Weitere besondere Merkmale der Orientierungsstufe an der Marion-Dönhoff-Realschule plus sind zum Beispiel: Klassenleiterteam in Kooperation mit Fachlehrern, höchstens 25 Schüler pro Klasse, Patenschaften (Neuntklässler betreuen eine 5. Klasse), verstärkte Elternarbeit und längeres gemeinsames Lernen. Letzteres würde gestärkt, wenn die Schule – wie beantragt – zum 1. August 2019 den Wechsel von einer kooperativen zu einer integrativen Realschule plus vollziehen könnte (die Klassen bleiben dann ein Jahr länger bis zum Ende der Klasse 7 zusammen, erst danach erfolgt die Aufteilung je nach angestrebtem Abschluss in Richtung Berufsreife oder Mittlere Reife). Realschulrektor Edmund Mink sieht seine Schule gut aufgestellt und weist eine verschärfte Konkurrenz zum Gymnasium weit von sich: „Ein starkes Gymnasium gibt es nur mit einer starken Realschule plus.“ Zu den Stärken der Marion-Dönhoff-Realschule plus (momentan rund 430 Schüler) zählt er neben der guten Ausstattung und der langjährigen Erfahrung in Sachen Ganztagsschule (seit 1996) zweifelsfrei deren beinahe familiären Charakter. „Wir sind eine relativ kleine, überschaubare Schule, das macht es manchem Schüler ein wenig leichter.“ Konrektorin Nadine Mattusch ergänzt: „Manche Kinder brauchen unsere Schulform, um sich weiterentwickeln zu können.“ Gemeint sind zum Beispiel die praktischen Anteile des Lernens, das „anschauliche Arbeiten“, so Mink. Überdies, ergänzt der Schulleiter, dürfe nicht vergessen werden, wie viele unterschiedliche Wege heutzutage zur Hochschuloder Fachhochschulreife führen. In diesem Sinne sei die Marion-Dönhoff-Realschule plus zukünftig vielleicht mehr in der Lage, ihre bestehende Kooperationsvereinbarung mit der Berufsbildenden Schule Wissen aufleben zu lassen.

Für beide Wissener Schulen wird es spannend, wie es in naher Zukunft weitergeht. Zum Beispiel zeichnet sich bei den Schülerzahlen ein Stopp des jahrelangen Rückgangs ab. Auf jeden Fall spiegelt das bevorstehende Ende der schulartübergreifenden Orientierungsstufe ein Stück Schulpolitik ganz im Interesse der beteiligten Schulen und der Elternschaft wider.

Quelle: RZ vom 25.01.2018, Elmar Hering