Präventionsveranstaltung zum Thema „Moderner Rechtsextremismus"

Bezeichnenderweise war es der 9. November, als Polizeihauptkommissar Frank Reifenrath vor den 9. Klassen über das Thema „moderner Rechtsextremismus“ referierte.

An dem für die Deutschen schicksalsträchtigen Tag jährte sich dieses Mal die Ausrufung der ersten Demokratie auf deutschem Boden, der Weimarer Republik, zum hundertsten Mal. Doch es war auch ein 9. November – und zwar der im Jahr 1923 – als Nationalsozialisten unter Adolf Hitler und Erich Ludendorff versuchten, eben diese Demokratie zu zerstören. Was ihnen damals bei ihrem gewaltsamen Putsch noch misslang, erreichten sie 1933 im Rahmen der „Machtergreifung“, die bei genauerem Hinsehen eher einer scheinlegalen „Machübergabe“ gleichkam – einer Machtübergabe durch Abgeordnete des Reichstags und unter dem Zuspruch großer Teile einer von Versprechungen und Propaganda verblendeten Bevölkerung.

Und wieder war es ein 9. November, diesmal im Jahre 1938, als in der Reichspogromnacht jüdische Synagogen brannten und jüdische Geschäfte geplündert wurden; dies war gewissermaßen der Startschuss für das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte, den Holocaust.

 

Diese historischen Hintergründe waren es auch, mit denen Frank Reifenrath seinen Vortrag einleitete, um anschließend den Bogen zum modernen Rechtsextremismus zu spannen. Er ging dabei neben jüngsten Polizeieinsätzen gegen rechte (und linke) Gewalt besonders auf die Geschehnisse um den NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) ein, einer Terrororganisation, deren Existenz lange im Dunkeln lag, und durch deren Taten der gewaltbereite Rechtsextremismus schlagartig in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückkehrte.

Doch in der Regel sind es eben nicht die gewaltbereiten Rechtsextremen, die etwa aufgrund ihrer Kleidung oder ihres Aussehens sofort als solche zu erkennen sind und öffentlichkeitswirksam auftreten, die Einfluss auf Jugendliche ausüben; oft sind es nämlich „Wölfe im Schafspelz“, die ihre Parolen und ihr Gedankengut auf mehr oder weniger harmlos erscheinenden Musik-CDs gepresst, auf T-Shirts gedruckt oder in sozialen Medien präsentiert den Jugendlichen nahebringen wollen. Nicht selten nutzen sie dabei aus, dass ein junger Mensch in diesem Alter besonders nach Orientierung und Geborgenheit in einer Gruppe sucht, die ihm im rechtsextremen Umfeld in verführerischer Art und Weise geboten wird, aus der er sich – einmal darin gefangen – aber umso schwerer wieder befreien kann.  

 

Der Polizeihauptkommissar sorgte so für das ein oder andere Aha-Erlebnis bei den interessiert zuhörenden Schülerinnen und Schülern, die sich zu diesem Zeitpunkt sowohl der Relevanz als auch der Aktualität des Themas völlig bewusst waren. 

Auf die Auseinandersetzung mit aktuellen Musikgruppen, die dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind (oder die in diesem Ruf stehen, ohne im Endeffekt wirklich rechtsextrem zu sein), folgte ein Überblick über gängige Symbole, Runen, Gesten und Parolen, wobei Frank Reifenrath den Schülerinnen und Schülern die gesetzlichen Grundlagen und die strafrechtliche Relevanz in diesem Zusammenhang besonders verdeutlichte. Mit diesen Aspekten beendete er schließlich seinen Vortrag.

Eine Woche später wurde die gleiche Präventionsveranstaltung für die 10. Klassen terminiert. Diese Klassen setzen sich übrigens im Geschichtsunterricht mit einem weiteren Schicksalstag der Deutschen auseinander: Dem 9. November 1989, an dem die Berliner Mauer fiel und somit faktisch das Ende der durch den Nationalsozialismus verschuldeten Teilung Deutschlands eingeleitet wurde.